Es mag für uns komisch klingen, aber Hayat, ein vielleicht 12jähriges Mädchen, will unbedingt in die Schule gehen, und das in einem Land, indem die Mädchen möglichst früh heiraten, dann Kinder, Haus, Tiere und vor allem ihren Mann versorgen sollen. Doch gerade an dem Tag, der über Hayats Zukunft entscheiden wird, muss die Mutter den kranken Vater fortbringen.
Natürlich liebt Hayat ihre beiden kleineren Geschwister, und sie weiß auch dass die Kühe und Hühner nicht ohne Futter bleiben können. Aber wenn sie sich nicht beeilt, kommt sie zu spät zu ihrer Prüfung. Also setzt sie alles daran, dass jemand ihr die kleine Schwester abnimmt. Sie hetzt von einer Verwandten zur nächsten. Und wir hetzen mit. Doch es ist als ob sich alle gegen sie verschworen hätten. Niemand hilft Hayat, denn Mädchen gehören nicht in die Schule.
Ob sie es am Ende doch noch rechtzeitig schafft? Das ist die spannende Frage, die uns Zuschauer während des ganzen Films begleitet. Mit einfachen Mitteln, z.B. dem atemlosen Keuchen des Mädchens, das uns durch den Film treibt, wurde eine Spannung geschaffen, die einen fast aus dem Kinosessel hebt. Das beeindruckende und warmherzige Spiel der Hauptdarstellerin Ghasaleh Paksafar gibt uns das Gefühl, selber in der Haut des Mädchens zu stecken. Ein sehr mutiger Film von einem iranischen Regisseur, den es sich wirklich anzuschauen lohnt.
Hayat rennt: die ca.14-jährige lebt in einem kleinen iranischen Dorf und versucht, ihre fast einjährige Schwester bei Nachbarn oder Verwandten für die Zeit ihrer großen Prüfung für ein Internatstipendium unterzubringen, doch niemand hat Zeit oder ist vertrauenswürdig genug dafür. Ihre Mutter ist auch nicht da, weil der Vater am Morgen schwer krank oder gar tot war und von ihr und Nachbarn fortgebracht wurde.
Hayat verzweifelt völlig, als die traditionsbewusste Großmutter sie im Stall festnagelt und ihr eintrichtern will, dass anständige Mädchen die Hausarbeit zu machen haben und Schule etwas für die Jungen sei. Nachdem sie schon alle morgendlichen Arbeiten der Mutter verrichtet hat, muss sie nun auch noch unter dem strengen Blick der alten Frau die Sahne abschöpfen.
Eigentlich ist es schon viel zu spät für die Prüfung, und es geschehen noch weitere Missgeschicke, ehe Hayat auf den rettenden Gedanken kommt…
Die Zuschauer erhalten einen eindrücklichen Einblick in das traditionsbewusste Alltags-Leben eines rückständigen Dorfes, wo Wasserhähne und Elektrik nie dann funktionieren, wenn man sie braucht und man sich auf das Alte, Bewährte verlassen muss. Auch die iranische Landschaft wird wunderschön gezeigt. Hayat wird lebensecht dargestellt mit all ihren Gefühlen und dem festen Willen, sich aus den Zwängen zu befreien und die höhere Schule zu besuchen. Es gibt tolle Episoden, wie sie mit dem Gelernten Missgeschicke im Alltag meistert und z.B. Elektrokabel für gute Ideen verwendet…
Das kleine Schwesterchen reagiert entzückend auf ihre Mitspieler und das Kamerateam.
Mit Musik wird sparsam umgegangen, so dass die morgendlichen Gesänge des kleinen Bruders noch lange im Ohr bleiben.
Nach meinem Geschmack ist Hayat ein bisschen zu viel umher gerannt und hat weite Strecken in kurzer Zeit zurückgelegt. Aber trotzdem war es insgesamt ein sehenswerter Film: Der Aufbruchs eines klugen Mädchens in ein selbst bestimmtes Leben.
Hayat hat eine wichtige Prüfung zu bestehen. Doch genau am Tag des Examens erkrankt ihr Vater, und die Mutter muss ihn ins Krankenhaus begleiten. Da steht Hayat nun - inmitten von all den Dingen, die sie erledigen muss. Und ihre kleine Schwester will ihr auch niemand abnehmen: Alle, die sich überhaupt etwas Zeit für sie nehmen, finden sowieso, dass Mädchen lieber im Haushalt helfen statt in die Schule gehen sollten. Hayat rennt von Tür zu Tür und die Zeit rinnt vorbei... Doch sie gibt nicht auf. Fast droht sie zu verzweifeln, doch sie ist fest entschlossen, dass sie die Prüfung doch noch schreiben kann.
"Hayat" ist ein Film darüber, wieviel man erreichen kann, wenn man nur nicht aufgibt. Hayat schafft es durch ihre Klugheit und Entschlossenheit, doch noch alles unter einen Hut zu bringen...
Außerdem gibt der Film einen Einblick in das iranische Dorfleben und auch die Benachteiligung von Mädchen und Frauen, die in islamischen Ländern oft noch eine Rolle spielt.
Auch für die schöne Musik, die großartigen Hauptdarsteller und die gelungenen Kameraeinstellungen hat "Hayat" auf jeden Fall einen Preis verdient!
Ausgerechnet an dem Tag, an dem Hayat eine wichtige Prüfung in der Schule
hat, wird ihr Vater krank und muss von ihrer Mutter zum Arzt begleitet
werden. Das heißt, dass Hayat auf ihre kleinen Geschwister aufpassen und
nebenbei noch die Hausarbeit erledigen muss. Sie aber will unbedingt in die
Schule und versucht, ihre Schwester bei den Frauen des Dorfes
unterzubringen, die leider alle der Meinung sind, dass Mädchen in der Schule
gar nichts zu suchen haben.
„Hayat“ ist ein anstrengend zu sehender Film. Das ständige Umhergelaufe und
Gekeuche des Mädchens ist nicht sehr abwechslungsreich und wird auf die
Dauer langweilig. Und wenn immer wieder noch ein Missgeschick mehr passiert,
wird das nach einer Weile einfach zu viel. Meine Art des Mitfieberns war
darum auch eher ungewöhnlich: Als Hayat zu guter Letzt noch von einer alten
Frau aus der Nachbarschaft aufgehalten wurde, saß ich plötzlich leicht
aggressiv im Publikum. Ich habe nur noch gehofft, dass sie sie aus dem Weg
stößt und endlich zu ihrer Prüfung geht!
Nur die lustigen Sprüche und Lieder von Hayats kleinem Bruder lockern die
etwas angespannte Stimmung auf. Hayats humorvolle Idee, um doch an der
Prüfung teilnehmen zu können, ist eine nette Überraschung am Ende des Films.
Alles in allem: Man kann sich den Film ansehen, aber mich hat er nicht vom
Hocker gerissen.
