Die Jungen Journalisten

Kritik
Saimir
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„Soll ich mein Leben so weiterleben wie bis jetzt oder soll ich mich von meinem Vater absetzen?“
Genau diese Frage stellt sich Saimir, denn er merkt, dass sein Vater in Geschäfte verwickelt ist, bei denen er nicht ohne weiteres zusehen kann.

„Saimir“ beschäftigt sich mit dem weit verbreiteten und aktuellem Problem des Menschenhandels.
Da ich mit diesem Thema noch nie so stark konfrontiert wurde, hat der Film einen starken Eindruck bei mir hinterlassen.

Der Konflikt, in dem Saimir mit sich selber steht, ist durch seine unterschiedlichen Gefühlsausdrücke mit wenigen Worten zu verstehen.
Leider wurden diese Emotionen oftmals durch abrupte Szenenschnitte zerrissen.

Insgesamt hat der Film mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich finde aber, dass es in jeder Grausamkeit immer noch glückliche Momente im Leben gibt, diese Momente haben gefehlt, um das ganze Geschehen ein bisschen aufzulockern.

Der Film ist wichtig für unsere Gesellschaft, weil er ein Thema behandelt, das sonst totgeschwiegen wird.

Charlotte Höppner


Saimir

Saimir ist ein albanischer Jugendlicher, der sich als Gelegenheitskrimineller durchschlägt. Sein Vater bringt albanische Flüchtlinge illegal nach Italien. Es ist sein Beruf, und er lehnt es ab, Verantwortung für das Schicksal der Flüchtlinge zu übernehmen. Saimir begleitet ihn dabei, doch so langsam wachsen bei ihm Zweifel an den illegalen Transporten. Denn ihn beschäftigt im Augenblick, dass er verliebt ist und ein ganz „normales“ Leben führen möchte. Als dann eines Tages eine osteuropäische Prostituierte hinten im Transporter sitzt, die Saimir und sein Vater gegen ihren Willen in die Bordelle der Umgebung fahren sollen, kann Saimir nicht mehr tatenlos zusehen und trifft eine wichtige Entscheidung…

Durch wenige Dialoge, keinerlei witzige Momente, lange Einstellungen und gräuliche, gedämpfte Bilder schafft der Regisseur eine hoffnungslose und deprimierende Atmosphäre, die sich langsam auf den Zuschauer überträgt. Ein unangenehmer Nebeneffekt dieser Darstellungsweise ist allerdings, dass man beginnt, sich zu langweilen. Erst im letzten Drittel nimmt der Film wieder Fahrt auf und führt den Zuschauer immer tiefer hinein in das Milieu der Schlepper und Prostituierten. Man fühlt mit Samir, bemerkt seine Zwiegespaltenheit zwischen seinem Vater, den illegalen Transporten und seinem Gewissen, und beginnt sich immer unwohler zu fühlen, bis der Film in einem hoffnungslosen Finale endet.

Ich bin der Meinung, Saimir ist ein interessanter Film, da das Thema Menschenhandel sehr wichtig ist. Leider schafft es der Film aber nicht, sein gesamtes Potenzial auszuschöpfen, da er teilweise sehr zäh ist und von Zeit zu Zeit langweilt. Dadurch fühlt man nicht mehr so stark mit Saimir und setzt sich nicht mehr so stark mit dem Thema auseinander.
Eigentlich also ein wichtiger Film, der es aber nicht durchgängig schafft, wirklich zu überzeugen. Doch alleine, weil der Film das Thema Menschenhandel so realistisch und überzeugend zeigt, ist er sehenswert.

Billy Holzberg, 15