„Wir duzen uns hier, daran musst du dich leider gewöhnen!“ Das war das Erste, was Thomas Hailer, der Leiter des Kinderfilmfestes, zu mir sagte. Ich hatte ihn gefragt, ob ich ihn einen Tag lang während des Kinderfilmfestes begleiten dürfe. Thomas Hailer war einverstanden, und ich war einen Tag lang als sein Schatten unterwegs.
Die meiste Zeit war er damit beschäftigt, alle möglichen Leute zu begrüßen. Von Anke Engelke bis hin zu kleinen Kindern, die fragten, ob sie auch einen Berlinale-Schlüsselanhänger haben dürften. Doch immer war er freundlich und zuvorkommend, selbst als ihn ein kleiner rundlicher Mann zum zehnten Mal fragte, ob es noch Karten für Voces Inocentes gebe. Falls er gerade mal niemanden begrüßte (und ich bin mir sicher, dass er an diesem Tag halb Berlin die Hand geschüttelt hat), lief er gestresst von einem Kino zum nächsten, um die neuen Filme anzukündigen, erteilte den Regisseuren und Schauspielern letzte Anweisungen oder gab noch schnell ein Interview.
Und alles läuft wie geschmiert, überall ist alles vorbereitet und es unterläuft kein einziger Fehler. „Wie kann das sein bei so einem großen Festival?“ frage ich mich. Daraufhin meint Thomas: „Alles eine Frage der Teamarbeit!“. Und das merkt man. Überall sind Leute, die helfen, von der Praktikantin über den Dolmetscher, bis zu seinem persönlichen Assistenten. Alle wuseln herum und sorgen dafür, dass das Festival einwandfrei funktioniert. Doch das tun sie natürlich nicht nur während der Berlinale, sondern schon das ganze Jahr über. Sie kümmern sich um die Filmauswahl, den Kontakt zu den Regisseuren und Produzenten, die Promotion und eben alles, was dazu gehört.
Was ihn denn so sehr am Kinderfilmfest interessiert, frage ich ihn, und er gibt zur Antwort, dass er Kinder einfach mag, und er es wichtig findet, dass sie schon früh anfangen, gute Filme zu sehen. Als Beispiel nennt er Florian Lukas, mit dem er gerade noch auf der Bühne stand. Der hätte, bis er 19 war, nur schlechte Filme im Fernsehen geguckt. So etwas fände er schade, meint er, immerhin sind Kinder die neuen Zuschauer und Filmemacher von morgen.
Mein Respekt! Er und sein 60 Mann großes Team schaffen es, ein echt tolles Festival auf die Beine zu stellen und das Rezept liegt wohl in dem ersten Satz den ich von ihm hörte. „Wir duzen uns hier, daran musst du dich leider gewöhnen.“ Leider? Denn genauso gehen die Leute hier miteinander um. Sehr freundschaftlich, fast schon wie in einer kleinen Familie, und das merkt man dem Kinderfilmfest an.
